Vatika im Laufe der Geschichte

So möchte ich versuchen, die geschichtliche Entwicklung der Vatika aufzuschreiben. Ich habe bewußt darauf verzichtet, den Einfluß von Adam und Eva auf diese Gegend aufzuzeichnen. Sicherlich beabsichtigt war auch das Weglassen des Ergebnisses einer Dinosaurier-Zählung vor Urzeiten. Ich beginne einfach so circa um das Jahr 15015 vor unserer Zeitrechnung. Ich hätte auch erst bei 15000 starten können, das Datum erschien mir jedoch zu glatt, und dieses Attribut ist mit Geschichte (meistens) nicht vereinbar.
Also, so um 15015 erfuhr Europa eine Klimaverbesserung. Das Eis der letzten Eiszeit war geschmolzen, so dass sich eine jungsteinzeitliche Bauernkultur entwickeln konnte. Es wurde wärmer, aber die damaligen Bauern hatten
sicherlich noch kalte Füße. Dagegen hilft bekanntlich Bewegung. Durch die ersten Aufwärmübungen kommt im
 3. Jahrtausend eine gewisse Unruhe in Europa auf. Indogermanische Völker dehnen sich aus und stoßen nach Süden vor, der Sonne entgegen. Ihre Reisefreiheit wird durch die neu erfundene Streitaxt gestützt, mit der sie sich die Pfade ebnen...

Eintausend Jahre später dringen die Dorer auf die Peloponnes vor und werden seßhaft. Sie bauen Städte wie Mykene oder Tiryns. Zu diesem Zeitpunkt wird auch die Stadt Boiai, die Stadt des Boios, durch den nämlichen gegründet. Angeblich war er einer der Söhne des Herakles. Er vereinte die bereits bestehenden Städte Etis, Aphrodisias und Side zu einer Neugründung. Pausanias (Buch III, 22.10 ff.) beschreibt noch eine ganze Reihe von Gründen, warum die Stadt gerade an dieser Stelle entstand.
Als Pausanias um das Jahr 150 nach der Zeitwende Boiai besuchte, standen dort noch vier Tempel .
Boiai fristete nun sein Dasein im Schatten Spartas und gehörte zu den sogenannten Perioiken, heute würde man vielleicht von Randgemeinden sprechen, die unter das Förderprogramm eines Zonenrandgebietes fallen. Tatsächlich unterliegen heute einige Bauvorhaben wie z.B. die Strukturverbesserung der Vatika dem Peripherie-Programm der E.U.
Sparta geriet in das Rampenlicht der Geschichte, als die Perser Athen und seine Verbündeten angriffen.
Das Spartanische Heer unter der Führung von Leonidas wurde 480 an den Thermopylen hingemetzelt...
Von 478 - 431 bestand der Attische Seebund, in dem Sparta nebst Boiai Mitglieder waren. Der Bund hielt jedch nur 47 Jahre, als Athen und Sparta sich im Jahre 431 nichts Besseres leisten konnten, als sich in den Peloponnesischen Krieg zu stürzen und in diesem sich zu bekämpfen sowie sich gegenseitig die steuerpflichtigen Bundesgenossen abzunehmen.
424 startete Athen einen Feldzug nach Kithira, der wohl an Boiai nicht friedlich vorbeizog...
Der Krieg dauerte bis zum Jahre 404. Während dieser Zeit diente Boiai als Kriegshafen der Spartaner
.
Sparta schien sich aus den "Ausflügen"  von Herrn Alexander in Richtung Osten (376 - 323) herausgehalten zu haben, gleichzeitig stieg Rom auf, welches im 3. Jahrhundert mit den Punischen Kriegen beschäftigt war, wir schreiben inzwischen 264 - 241 und 218 - 201. In dieser Zeit gehörte Boiai zu Messenien, welches wiederum Verbündeter Roms war. Während Rom mit Karthago kämpfte, wähnte Philipp V. von Makedonien in Südgriechenland ein Machtvakuum. Er segelte 216-214 die Ägäis herunter, vorbei am Kap Maleas und Boiai, der Römischen Flotte entgegen. Sein Feldzug scheiterte kläglich.
So kam es, dass sich die Römer auch in der Vatika ansiedelten, was ob der bezaubernden Lage auch verständlich ist.
Mehrere Beispiele zeugen noch heute in Funden von Roms Präsenz. Bald wird in Neapoli ein Museum eröffnet werden,  in dem die Funde zu bewundern sein werden.
  Die Zeitenwende.
 Die Einfluß der Römer schwand, in die europäische Landkarte kam mal wieder etwas Bewegung. Die Germanische Völkerwanderung war so ca. 450 im Gange. Umzugsspediteure erlebten eine Hochkonjunktur. Ein Machtvakuum an der Donau nutzen die Hunnen, um sich dort kurzzeitig aufzuhalten, bevor sie wieder nach Hause zogen.

Das Weströmische Reich zerfiel 476, das Oströmische Reich bestand fort, erfuhr eine Namensänderung in Byzantinisches Reich um 900 herum und hieß von 1204 - 1261 Lateinisches Kaiserreich. Dazu gehörte unser Boiai.
Inzwischen hatten sich die oberitalienischen Städte gemausert und waren mächtig geworden, -so z.B. die Stadt Venedig.
Diese Städte bauten einen schwunghaften Handel im Mittelmeer auf, der aber in der Levante durch arabische Stämme eine Störung erfuhr. Von 1096 an wurden für die nächsten 200 Jahre die jeweiligen Päpste vor den Karren der Kaufleute Venedigs etc. gespannt, um für eine (christliche) Ordnung an der syrischen Küste zu sorgen. Zwischen 1096 und 1270 erfolgten 7 (sieben) Kreuzzüge, die mehr Unglück als Segen brachten (siehe Irak). Selbst Kinder wurden zum Behufe der Ungläubigen-Vertreibung losgeschickt, kamen aber nie im Heiligen Land an, sondern landeten zum Verkauf auf nordafrikanischen Basaren. Durch den Erlös wurde der nächste Kreuzzug finanziert.
 Aber: Was hat das mit der Vatika zu tun? Moment!

Die Züge wurden entweder über den Seeweg aus dem Kölner Raum, England, Frankreich, Italien ausgeführt, oder über den Landweg quer durch Europa und Kleinasien. Heere von Kriegern, Rittern, Kriminellen, Abenteurern, Hungernden usw.  waren unterwegs, die geplünderte Schneisen nebst-, wie üblich, genetischen Fingerabrücke hinterließen.
Und jetzt kommt die Auflösung:
Natürlich muß es auch damals schon Aussteiger gegeben haben. Spätestens auf der Höhe von Nordgriechenland überkam es die Abtrünnigen. Anstatt weiter geradeaus gen Kleinasien zu ziehen, um sich dort von einem inzwischen aus der Mongoleigegend zugereisten Türken oder an den heiligen Stätten von einem sogenannten Ungläubigen  massakrieren zu lassen, passierte was? Genau! Blinker rechts, scharfe Kurve rechts ab und die Abfahrt runter gen Peloponnes.
 Kreuzzug ade!
Der Rest war denkbar einfach: Mit den überlegenen Waffen der Kreuzfahrer (inzwischen ehemaligen) war es relativ einfach, sich bei der Urbevölkerung Gehör zu verschaffen. Diese durften dann als Dank des Überlebens eine Burg für ihre neue Herrschaft bauen, was gerade in Mode war. So entstand u.U. die Burg nordöstlich von Neapoli...
 (s. Foto beim Kapitel "Orte", Orte zum Anklicken, Ag. Paraskevi)
Versäumen Sie nicht, während Ihres Besuches in der Vatika die Burg zu besteigen. Setzen Sie sich oben auf eine Mauer und genießen den Blick über die Bucht, Elafonissos, Kithira, Mani. Und jetzt versetzen Sie sich in die Person des ausgestiegenen Kreuzritters, der sich spätestens nach 20 km in seinem Kreuzzug-Chaos verschaukelt gefühlt hat und hier seine Erfüllung fand. In Jerusalem hätte ihn Mord und Totschlag oder beides erwartet. Wäre er dem entronnen, hätte er daheim auch keinen leichten Anfang in das Normalleben gefunden. Ein psychologischer Knacks, hervorgerufen durch den Verlust der Kinder auf dem letzten Kreuzzug, hätte seine Ehe zerstört. So erfuhr er nie vom Schicksal seiner Angehörigen und kann seinen Lebensabend mit diesem wunderbaren Panorama-Blick genießen. Denken Sie mal darüber nach...

Sicherlich, Sie können nach einer Weile des Nachdenkens erwidern, dass mit diesem Verhalten unseres Ausstiegsritters das sogenannte heilige Land nicht dauerhaft gesichert werden konnte. Darauf sage ich Ihnen aber, dass es ja gar nicht um die Ruinen ging, sondern um die Handelswege nach Osten, um durch den Handel sich als ordentlicher Venitianer zu bereichern.
Wer ist denn heute so naiv zu glauben, der Welt ginge es um edle Beweggründe wie Frieden zwischen z.B. Schiiten und Sunniten?
 Venitianern gleich geht/ging es hier nur um Geld, Ölgeld.
So, nun klettern Sie mal von dem Mäuerchen und der Burg wieder runter. Wir müssen den nächsten Fall unter die Lupe nehmen: Die vorhin schon erwähnten Türken (aus der Mongoleigegend, nicht Europa) haben es sich in Kleinasien so richtig schön gemütlich gemacht, die Kurden unter ihre Fuchtel gebracht, das Osmanische Reich expandierte weiter, und zwar nicht nur im Uhrzeigersinn um das Mittelmeer herum sondern auch nach Westen. So wurde das Byzantinische Reich "eingemeindet". Um 1400 bestand Griechenland nur noch aus dem Herzogtum Athen, dem Fürstentum Achaia (Großteil der Peloponnes) und dem Rest des Byzantinischen Reiches, welches auf die Fläche Arkadiens und Lakoniens mit der Hauptstadt Mistra geschrumpft war, Kreta gehörte noch zu Venedig.
Unter dem Byzantinischen Reich wurde Boiai umbenannt in Vatika.
Im Jahre 1453 geriet die Vatika unter türkischen Einfluß, 10 Jahre später wurde sie wieder durch  Venedig zurückerobert (1463),
seit 1500 hatten die Türken den Fez auf, 1686 - 1715 wieder die Dogen, um dann bis zur Befreiung 1821 das Gebiet an die Türken abzugeben. Ganz schönes Hin und Her, aber so war's.
Zwischendurch  wurde dann die Vatika  in Petzoula umbenannt, aber seit 1845 wurde aus der neu geründeten Stadt :
 Neustadt, Neapoli.
Nun ging es erst mal daran, die Türkenvergangenheit zu verarbeiten, 400 Jahre, 16 Generationen, wenn nicht mehr, und die hinterlassen auch Spuren.....
Dann kam König Otto aus Bayern nach Griechenland, um die Monarchie herzustellen.
Im ersten Weltkrieg war Griechenland auf der Seite der Alliierten, im zweiten wurde es zunächst durch die Briten "besetzt", dann ein fehlgeschlagener Angriffsversuch der Italiener, Besatzung dann durch die dt. Wehrmacht, wieder kamen die Briten, um die Wehrmacht zu vertreiben.
Von 1945 - 1949 tobte dann ein brutaler Bürgerkrieg zwischen Royalisten und Kommunisten. Völlig verarmt und geschwächt ging das Land aus diesem Desaster hervor. Viele Griechen wanderten aus, um in der Ferne zu Wohlstand zu gelangen. Die Monarchie bestand bis 1967, als einige Militärs unter Papadopoulos die Macht ergriff, eingefädelt durch die CIA, um so für eine stabile und Washington-treue Regierung für die Gestaltung der Mittelmeer-Politik zu schaffen.
1974 war dann auch jener Spuk vorbei, seit der Zeit herrscht relativ wahre Demokratie.....
Inzwischen ist Griechenland, Lakonien und damit auch unsere Vatika mit Neapoli in der EU, die Währung ist nicht mehr eine "Handvoll" = Drachmai, sondern auch der Euro.    

Und so kann man zu dem Schluß gelangen, dass Geschichte doch auch glatt verlaufen kann, zumindestens seit 1974.


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